Gedanken über Musik

Gedanken über Musik

Sollten Künstler nicht produzieren, anstatt zu bloggen?

Ja. Doch Kunst ist Kommunikation. Kunst muss geteilt werden, sonst ist sie sinnlos. Deshalb beginne ich diesen Blog. Ich will versuchen, einige der Gedanken hinter [OPERASSION] zu teilen. Einen heimlichen Blick gewähren hinter die Kulissen… Es geht um Künstler ganz unterschiedlicher Sparten, um unkonventionelle Ideen, fehlendes Geld und um das anachronistische Streben nach maximaler künstlerischer Aufrichtigkeit. Es geht um die Welt in der wir leben…

Aber es kostet Überwindung! Als Musiker ist man darauf gedrillt, der Öffentlichkeit ausschließlich perfekte Endprodukte zu präsentieren. Der ganze Hochglanz-Markt der Abteilung Klassik basiert auf der Illusion übermenschlicher Perfektion. Man arbeitet Monate, manchmal Jahre im stillen Kämmerlein, bis ein neues Programm reif ist, zum ersten Mal öffentlich aufgeführt zu werden. Diese Prägung will ich durchbrechen und die Türe zu unserem Gedankenlabor einen Spalt weit öffnen…

Warum rennen mehr Leute ins Fußballstadion als in die Oper? Weil die Emotionen im Stadion unmittelbar geteilt werden. Und doch gäbe es in der Oper so viel mehr zu erleben… Wie stellt man Unmittelbarkeit her?

Viel Vergnügen beim Lesen meiner Gedanken über Musik!

Fabian

Dirigent, Tonsetzer, Autor, Pianist – ich versuche, ein wenig vom Künstlerideal des 19. ins 21. Jahrhundert hinüberzuretten.

Mein Name? Fabian Dobler

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sollte man über Musik reden? ... spricht sie nicht für sich selbst?

Geschichten erzählen – als Musiker

In den Augen meiner Mitschüler war ich ein Spinner.

Anstatt mit Ihnen in der Fußgängerzone vorm Karstadt rumzuhängen, verbrachte ich meine Nachmittage am Klavier. Ich entfloh in die Welten von Chopin, Brahms und Beethoven. In einigen Stunden konnte ich hier unendlich viel mehr erleben als in der frustrierenden Realität einer Pubertät in der Kleinstadt.

Im Konzertmarkt nimmt es scheinbar niemand mehr wahr: Musik erzählt Geschichten! Sie ist nicht nur eine Abfolge hoher und tiefer Töne, nein, sie spricht, sie erzählt von all dem, was uns Menschen ausmacht und bewegt. Dieses Geschichtenerzählen müsste wieder in den Fokus rücken…

Dazu allerdings müsste man den historisierenden Ansatz hinter sich lassen, mit musikalischen Werken so umgehen, wie es die Regisseure im Schauspiel schon lange tun: kürzen, umstellen, aktualisieren – aus den Werken das hervorholen, was uns heute betrifft und betroffen macht.

Oder noch weitergehen und den Film zum Vorbild nehmen. Aus Andeutungen und Zitaten einen Spannungsbogen konstruieren, der von der Neugierde und dem Mitempfinden des Publikums getragen wird.

Das finde ich spannend, das will ich versuchen!

warum berührt mich Bachs Matthäus-Passion? ... weil ich mich so gut ins Jahr 1727 versetzen kann?

Historisch unkorrekt

Woher kommt der Glaube, dass die Uraufführung eines Werkes das Ideal ist, dem alle nachfolgenden Aufführungen nachzueifern haben?

Bevor ich mich hier auf vermintes Gelände begebe, berichte ich von Uraufführungen, an denen ich selber beteiligt war…

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wie vorhersehbar kann ein besonderer Moment sein? ... ab der wievielten Wiederholung verflüchtigt er sich?

Verweile doch, du bist so schön! – Kleine Polemik

Dass Menschen geradezu süchtig nach besonderen Momenten sind, weiß man nicht erst seit Goethe. Unsere gesamte Kultur – im weitesten Sinne – ist darauf ausgerichtet, emotionale Höhepunkte zu erzeugen. Das zieht sich vom „schönsten Tag des Lebens“ über den „perfekten Urlaub“, den Gewinn eine Fußballspiels unseres Lieblingsvereins durch sämtliche Unterhaltungsformate, Literatur, Fernsehen, Kino, Theater, bis hin zu Oper und Konzert.

Wir klassischen Musiker haben mit den „besonderen Momenten“ allerdings ein wachsendes Problem…

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ist Romantik mehr als ein Klischee?

Romantik heute

(aus dem Programmheft des neuen [OPERASSION]-Programms: Romantik 2.0)

Von wegen Rosen und Kerzenschein: die Romantik steht für den Anspruch der Kunst, Einfluss zu nehmen auf das Leben.

Zur Zeit der industriellen Revolution, als beim Entstehen großer Fabriken Menschen zur anonymen Masse wurden, entwarfen Literatur und Musik eine Gegenwelt. Der von technischer Machbarkeit und Kostendenken dominierten Realität setzten sie eine irrationale Sphäre der Assoziationen und Visionen entgegen. In ihr feierte das Individuum die Einzigartigkeit seiner Gefühle.

Die Parallelen zu unserer Zeit sind offensichtlich: …

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ist Instrumentation nur Design?

Ist Instrumentation nur Design?

„Design is how it works!“ (Steve Jobs)

Dieser berühmte Satz über Industriedesign ist, bezogen auf die Musik, eine tiefe Erkenntnis: das Verhältnis zwischen Struktur (=Tonsatz) und Oberfläche (Instrumentation) ist anders als erwartet.

Musik ist Klang, Klang ist Emotion – trotzdem trennt jeder nach Qualität suchende Musiker, Kritiker oder Komponist reflexhaft die Struktur vom Klang, um sich dann auf die Struktur zu stürzen und den Klang als Äußerlichkeit links liegen zu lassen. Je „absoluter“ Musik ist, d.h. je mehr sie „Struktur an sich“ ist, je unabhängiger von konkreter Instrumentation, desto höher wird ihre Qualität eingeschätzt. Als Non-plus-ultra gilt Bachs Kunst der Fuge. Gut. Das ist ein Werk zum Niederknien, aber ist es der einzige Weg, den Musik beschreiten kann?

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ist das, was alle im Ohr haben, die Wahrheit?

Marlene Dietrich und die Wahrheit über Johnny

Zur Zeit arbeite ich an einer Revue über Friedrich Hollaender. Das Stück wird im Herbst im Theater „Die Färbe“ in Singen rauskommen. Die Musik stammt von Friedrich Hollaender (klar!), wird aber von mir bearbeitet und für ein Quartett von Bandoneon, Geige, Klavier und Bass neu instrumentiert. Neben der Instrumentation ist auch Bearbeitung nötig, schon um dem Theaterabend eine Form zu geben, die über das Aneinanderreihen einzelner Nummern hinausgeht.

Die meisten Werke Friedrich Hollaenders sind leider nur als rudimentäre Klavierfassung erhältlich. Ich muss mir also einiges dazu- und von Fall zu Fall auch weg-denken, um zu einer überzeugenden Fassung zu kommen. Normalerweise bearbeite ich ausschliesslich auf Basis der Partitur, aber wegen des unvollständigen Notenmaterials bin ich diesmal gezwungen, mir alte Aufnahmen anzuhören – und da beginnt mein Problem:

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it's the character, stupid!

Miss Piggy erhält Frauenrechtspreis

Ich will mich hier gar nicht auslassen über die herzerfrischend lockere Haltung des preisgebenden Komitees, auch nicht philosophieren über eine Figur, die vom Prinzen träumt und den Frosch küsst – nein die Meldung selbst steht für mich erratisch im Raum!

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verträgt sich Kunst mit Sicherheit? ... hilft Risiko der Kunst?

Ritt über den Bodensee – Videoproduktion in einem Tag

10:00 Uhr: 2h Probe – Aufbau für Tonaufnahme – Mikrofoncheck – 2h Tonaufnahme – schnell Mittagessen – 15:00 Uhr: Tonschnitt – Aufbau für Filmaufnahme – Einleuchten – Umziehen – Kameras einrichten – Dreh – Einleuchten – Kameras einrichten – Dreh – Einleuchten – Kameras einrichten – Dreh – Einleuchten – Kameras einrichten – Dreh – Einleuchten – Kameras einrichten – Dreh – Umziehen – 19:30 Uhr: Statisten einweisen – Einleuchten – Kameras einrichten – Dreh – Einleuchten – Kameras einrichten – Dreh – Einleuchten – Kameras einrichten – Dreh…

…gegen 21:15 meinte Stephan trocken: „Also, ich hab’ alles.“

Das Video Through Darkness – Teaser wurde tatsächlich an einem einzigen Tag aufgenommen!

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